 |
Schoenfield - Orchestral Works:
1. (4) Parables, 2. Vaudeville, 3. Klezmer Rondos (Tipp von Michael Schlechtriem)
Betin Günes:
6. Sinfonie
|
Hallo Walter,
Deine Plattenhinweise kamen zufällig gleichzeitig, Schoenfield und Günes, und beide fallen in die gleiche Kategorie Warum bloß so verborgen. |
Die Günes-Symphonie ist ein erstaunliches sprachliches Patchwork etliche Déjà-vues, aber kein bisschen Langeweile, vielmehr Wundern, warum solche Musik nicht öfter live gespielt wird. Bartok, Strawinsky, Honegger (Anfang zweiter Satz ganz deutlich m.E.), Varèse, alles da gewesen, und dennoch macht diese Musik das Beste, was man von bislang unbekannten Stücken gewinnen kann, sie hinterlässt im Gedächtnis Klangspuren. Solche, die ein Wiederhörenwollen lebhaft halten, während des Wiederhörens die bekannte freudige Erwartung folgerichtiger/überraschender/intensiver Klang- und Melodiefolgen erzeugen.
Die Abfolge intensiv und ruhig gebauter Klangschichten und naiv-schön-hymnischer Passagen gelingt erstaunlich schlüssig, musste teils geradezu lächeln während des Hörens wie gut dass das Stück ein preisendes Gedenkstück für G.´s Tante ist, ist gut zu wissen, banalisiert nichts, sondern wirft einen humorig-achtungsvollen Gedankenhintergrund auf die fein balancierte Atmosphäre des Stückes.
Jedenfalls musste ich beim ersten Hören gleich an meine erste Begegnung mit den gleichfalls schwer begreiflich nirgends (?) gespielten Stücken von Markevitch denken, weniger bezogen auf den Stil als auf den gefühlten Beachtlichkeits-Quotienten.
Markevitchs cantique d´amour, das 2,5-Orchesterstück von Herrn Günes und als Hauptwerk eine der Pettersson-Symphonien gäbe ein veritables Hitlistenkonzert so großer wie wenig beachteter Musik des 20.Jahrhunderts abseits sich theorielastig gebender und repetitiv eitler serieller Übungen.
Und der Schoenfield das ist vitale gute Laune und intensiver Klanggeist pur. Der Vergleich mit Gershwin reicht nicht Gershwin langweilt mich häufig als Pendant zum Wiener Salon auf amerikanisch, Hochglanz mit Pseudojazztouch
Aber dieser Schoenfield ist eine derartige Ladung musikalischen Handwerks, dass es einen umhaut beim Zuhören, im besten Sinne atemlos, nicht zur Ruhe lassend. Der bringt es fertig eine eigene Art von Festival-Musik zu kreieren; keine hohe Musikkunst, dazu ist das Ganze zu abgeleitet, vielmehr musikalisches Kunsthandwerk auf allerhöchstem Spaß-, aber auch Konzentrationsniveau, eine Art Hochdruck-Gegenstück zu meiner geliebten Philip-Catherine-Salon-CD Transperence J.
Solche Begegnungen machen mal wieder sehr unruhig, welche Preziosen der Mainstream-Musikbetrieb vorenthält, um sich lieber mit Protagonisten zu beschäftigen, deren Busen und sonstige Rundungen hervorragend ansehnlich sind, aber nicht klar ist, warum´s oberhalb dieser Busen unbedingt zu singen versucht
Aber das Netz kann´s richten Sammeln von Hinweisen und Selten-gespielt-aber sehr gemocht-Tipps über Mailinglisten und dann - wie wär´s wenn eine Rundfunkanstalt eine Sendung initiierte, die sich solchen noch geheimen Favoriten widmet? Könnte Verkaufszahlen befördern und Interesse wecken. Die Leute sind weitaus geschmackvoller als die Busen-Barden-Promoter ahnen (hoffe ich ;-) ).
Für die Günes-6. könnt Ihr bereits auf einem Eurer nächsten Hifi-Messen-Auftritte alles Denkbare tun bekanntermaßen hört die Hi-End-Gemeinde alles, was sie für klasse klingend hält, warum also nicht auch mal was wirklich den Geräteaufwand Wertes?
Liebe Grüße
Hans-Jürgen
|